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Record W2047672879 · doi:10.1055/s-0030-1255502

Von der Gesundheit und vom Älterwerden

2010· article· de· W2047672879 on OpenAlexaboutno aff
Andreas Kruse

Bibliographic record

VenueDer Klinikarzt · 2010
Typearticle
Languagede
FieldHealth Professions
TopicHealth and Medical Studies
Canadian institutionsnot available
Fundersnot available
KeywordsPhilosophyPolitical scienceHumanities

Abstract

fetched live from OpenAlex

Die gesellschaftliche Diskussion über Gesundheit und Älterwerden lässt sich von einem Menschenbild leiten, auf das die Worte des Philosophen Ernst Bloch (in seiner Schrift: „Das Prinzip Hoffnung“) immer noch zutreffen: „Wir leben in einer Gesellschaft, die sich auf Jugend schminkt“. Vielfach wird an die Medizin die Erwartung gerichtet, dass diese dem Menschen bis ins hohe Alter alle Krankheiten nimmt, ja, dass sie sogar das Altern rückgängig macht oder ganz aufhebt – hier sei nur das Stichwort „Anti-Aging“ genannt. Solche Erwartungen und das dahinter stehende gesellschaftliche Leitbild führen dazu, dass Menschen vergessen, dass sie verletzlich, in ihren Handlungsmöglichkeiten endlich sind. Aus diesem Grunde ist es wichtig, über unser Verständnis von Gesundheit nachzudenken, denn mit den gesellschaftlichen Leitbildern von „Gesundheit“ und „erfolgreichem Altern“ (im Sinne des „Forever young“) schaden wir uns letztlich selbst. Zudem besteht die Gefahr, dass bestimmte medizinische Maßnahmen Menschen im hohen Lebensalter vorenthalten werden; Vorschläge, das Lebensalter als ein „Ausschlusskriterium“ medizinischer Maßnahmen zu definieren, wurden bereits von einzelnen politischen Entscheidungsträgern unterbreitet. Hier drängt sich der Eindruck auf, dass dann, wenn Menschen nicht mehr dem Ideal des „Forever young“ entsprechen, wenn sie auch nach außen hin die Verletzlichkeit der Existenz zeigen, ausgegrenzt werden. So holt uns möglicherweise im Alter ein problematisches Menschenbild und Gesundheitsverständnis ein. In Bezug auf die Versorgung kranker Menschen ist eine Aussage des Heidelberger Mediziners Ludolf von Krehl (1861–1937) bedeutsam. Wie Krehl in seiner „Pathologischen Physiologie“ hervorhebt, stellt jeder Krankheitsvorgang in Wirklichkeit etwas Neues dar, „das noch nie da war und so nie wieder sein wird“. Die medizinische Betrachtung habe sich mit zwei Prozessen zu beschäftigen: zum einen mit den allgemeinen Beziehungen der Morphologie, Physiologie, Ätiologie und Pathogenese im menschlichen Organismus, zum anderen „mit der Umgestaltung des Typisch-Menschlichen durch die Persönlichkeit des einzelnen Menschen“. Diese Betrachtungsweise spiegelt sich in der Aussage wider: „Krankheiten existieren nicht, wir kennen nur kranke Menschen“. Es besteht heute Einigkeit darüber, dass die „klassische“ Gesundheitsdefinition der Weltgesundheitsorganisation – das völlige Freisein von körperlicher, seelischer und sozialer Einschränkungen – zum einen unrealistisch, zum anderen auch gefährlich ist: Denn eine solche Definition verstellt den Blick auf die mögliche Kreativität des Menschen in der Erzeugung von Gesundheit – eine Kreativität, die vor allem dann an Bedeutung gewinnt, wenn Erkrankungen eingetreten sind. Ganz in diesem Sinne ist jene Definition von Gesundheit zu verstehen, die Viktor von Weizsäcker, einer der Begründer der Psychosomatischen Medizin, gegeben hat: Gesundheit stellt kein Kapital dar, das der Mensch nach und nach „aufzehrt“, sondern vielmehr ist sie nur dort anzutreffen, wo sie vom Menschen „stets neu erzeugt“ wird. Der oben erwähnte Gesundheitsbegriff der Weltgesundheitsorganisation wird heute von niemandem mehr geteilt. Und auch die Weltgesundheitsorganisation entwickelte in der Ottawa-Deklaration (1986) ein neues Gesundheitsverständnis: Gesundheit stellt danach einen Oberbegriff dar, der fünf Merkmale umfasst: Aktivität, Lebenszufriedenheit, subjektiv erlebte Gesundheit, Gesundheitsverhalten und gesunden Lebensstil. Damit erweitern sich die Ziele der Therapie und Pflege: Nicht allein die Überwindung oder Linderung einer Krankheit steht im Zentrum, sondern auch die Unterstützung des Menschen bei der Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung von Selbstständigkeit und sozialer Teilhabe sowie bei seinem Bemühen um Bewältigung der Krankheit. Zudem ist bei der Behandlung von Patienten mit chronischen Erkrankungen die seelisch-geistige Dimension vermehrt anzusprechen – und zwar in der Hinsicht, dass diese den Krankheitsprozess besser verstehen, dass sie durch ihr eigenes Gesundheitsverhalten Therapie- und Pflegemaßnahmen unterstützen, dass sie Lebensbereiche erkennen und verwirklichen, die ihnen helfen, neue psychische Kraft zu schöpfen und zu neuer Lebensperspektive zu finden. Die medizinisch-pflegerische und psychosoziale Begleitung des älteren Patienten sollte sich somit von folgenden – an dem Konzept der Kompetenz orientierten – Zielen leiten lassen: (a) Krankheiten und Krankheitssymptome lindern, (b) einen optimalen funktionalen Status erhalten oder wiederherstellen, (c) die aktive Lebensgestaltung fördern, (d) bei der Bewältigung von Belastungen und Krisen helfen, (e) eine barrierefreie Umwelt schaffen, (f) Teilhabe fördern, (g) ein individuell angemessenes System medizinisch-pflegerischer und sozialer Unterstützung sicherstellen. Die Verwirklichung dieser Ziele ist auch an die Voraussetzung geknüpft, dass sich Patient und Therapeuten der Würde bewusst sind, die jedes Leben in sich trägt und zu verwirklichen sucht, oder, wie dies der hoch begabte Arzt Moses Maimonides (* 1135 in Córdoba; † 1204 in Kairo) ausgedrückt hat: Damit die Heilung (auch im Sinne des Heilseins verstanden) gelingt, müssen Arzt und Patient in ein rechtes Verhältnis zueinander kommen und den Bezug zu einem übergeordneten Ziel des Lebens gefunden haben.

Fetched live from OpenAlex and de-inverted. Abstracts are not stored in this database: the inverted indexes are 8.6 GB of the frame’s 9.3 GB of text, and the host has 13 GB free.

How this classification was reachedexpand

Full frame distilled prediction

Teacher imitation

Not calibrated prevalence, not ground truth. Human validation pending. Learned from the 10,348 direct Codex labels and 10,348 direct Gemma labels. Candidate is the union of thresholded teacher heads; consensus is their intersection. These outputs are machine_predicted_unvalidated and are not human labels or direct frontier model labels.

metaresearch head score (Codex)0.002
metaresearch head score (Gemma)0.003
Version: codex-gemma-dda1882f352aValidation status: machine_predicted_unvalidated
Candidate categoriesMeta-epidemiology (narrow), Science and technology studies, Research integrity, Insufficient payload (model declined to judge)
Consensus categoriesResearch integrity, Insufficient payload (model declined to judge)
DomainCandidate signal: none · Consensus signal: none
Study designCandidate signal: Not applicable · Consensus signal: Not applicable
GenreCandidate signal: Empirical · Consensus signal: Empirical
Teacher disagreement score0.403
Threshold uncertainty score1.000

Codex and Gemma teacher scores by category

CategoryCodexGemma
Metaresearch0.0020.003
Meta-epidemiology (narrow)0.0010.000
Meta-epidemiology (broad)0.0010.000
Bibliometrics0.0000.000
Science and technology studies0.0020.000
Scholarly communication0.0000.000
Open science0.0010.001
Research integrity0.0020.005
Insufficient payload (model declined to judge)0.0090.039

Machine scores (provisional)

The two teacher heads of the student model, read on this work. A score orders the frame for review; it never asserts a category, and the validation status ships verbatim with every row.

Baseline scores from an immature model (maturity gate not passed, 7 training rounds). Scores rank; they never assert a category.

Opus teacher head0.070
GPT teacher head0.473
Teacher spread0.403 · how far apart the two teachers sit on this one work
Validation statusscore_only:v0-immature-baseline · verbatim from the scoring run: score_only means the number may rank works, and no category label ships from it

Classification

machine, unvalidated

Machine predicted; both teacher heads agree on what is shown here.

Study designNot applicable
Domainnot available
GenreEmpirical

How this classification was reached, model by model and score by score, is at the end of the page under "How this classification was reached".

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Citations0
Published2010
Admission routes1
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