"Die Praktizierung des Gehirns": Zur Logik des psychotischen Sprechens am Beispiel Thomas Bernhards
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"Die Praktizierung des Gehirns":Zur Logik des psychotischen Sprechens am Beispiel Thomas Bernhards Christiane Weller (bio) Es gibt keinen psychotischen Text im Original, es gibt lediglich Palimpseste davon, also Schabtexte, codices rescripti, unter denen das Original ausgelöscht ist-mehr noch als beim Wunderblock, der Freud so sehr faszinierte. (Küchenhoff u. Warsitz 119) Dieses Zitat von Joachim Küchenhoff und Peter Warsitz führt direkt zur Legitimationsfrage dieses Artikels. Gibt es keinen psychotischen Text im Original, so stellt sich die Abgrenzung zwischen einem literarisch-fiktionalen und der Wiedergabe einer tatsächlich erlebten Wahnvorstellung nur bedingt. Der psychotische Text, und dies sei die Hypothese dieses Artikels, indem er die psychotische Primärerfahrung zu fassen sucht, entwickelt eine Narration, die gleichzeitig Rückschlüsse auf die strukturellen Bedingtheiten der Psychose zulässt. Die Beschäftigung mit dem Wahnsinn ist natürlich ein durchaus etabliertes Gebiet der Literaturwissenschaft. Schon immer hat sie sich dort dem Wahnsinn zugewandt, wo ihn die Literatur ausdrücklich einschreibt, z.B. in Georg Büchners Lenz oder in E. T. A. Hoffmanns Der Sandmann. In der umfangreichen Studie von Georg Reuchlein geht es denn auch um den literarischen Wahnsinn auf der Folie des zeitgeschichtlichen Kontexts. Wahnsinn wird hier vor allem deskriptiv als literarischer Topos gefasst, der die medizinisch-psychiatrische Diskussion der Zeit reflektiert, bzw. durch die Fiktionalisierung zwangsläufig verkürzt. Wie Reuchlein nachweist, verlangte die Kritik Ende des 19. Jahrhunderts im Sinne des damaligen medizinisch-psychiatrischen Verständnisses die korrekte Darstellung pathologischer Phänomene, wohingegen im frühen 20. Jahrhundert eine gewisse Umorientierung erfolgte. Mit der Überwindung des Naturalismus wurde die Wahnsinnsdarstellung nicht mehr dem Diktum der Wirklichkeitstreue, sondern dem der psychologischen Motivierung und damit der Möglichkeit seiner Ästhetisierung unterworfen. Da die Psychose ein verständliches Sprechen verunmöglicht, war es jetzt Aufgabe des literarischen Textes, Motivzusammenhänge, bzw. eine die Dichtung motivierende psychologische Wahrheit zu formulieren (vgl. Reuchlein 19). Im Zuge dieser neueren Fragestellung treten zunehmend die Funktionen des fiktionalen oder literarischen Wahnsinns in den Vordergrund, wobei allerdings weiterhin die Vorstellung vertreten wird, Wahnsinn lässt sich nie getreu psychiatrischen Erkenntnissen abbilden. Erst die sich im gleichen Zeitraum entwickelnde Psychoanalyse schreibt in einer Umkehrbewegung nicht den psychiatrischen, sondern eher den literarischen Auffassungen [End Page 499] des Wahnsinns Wahrheitsgehalt zu, da die Psychoanalyse die Psychose nicht mehr als rein hereditär oder psychologisch unmotiviert versteht. Um den Wahrheitsgehalt der literarischen Wahnsinnsdarstellung geht es jedoch auch der frühen psychoanalytischen Literaturtheorie. In den sechziger und siebziger Jahren, auch im Zuge der Antipsychiatrie-Bewegung, sind es dann vor allem psychiatrie-kritische, gesellschaftspolitische Überlegungen zur Randgruppenproblematik, wie z.B. von Michel Foucault, die die Literaturkritik bestimmen. Zu fragen bleibt, lässt sich der Wahnsinn schreiben, bzw. lesen, oder muss er, literarisch gefasst, zwangsläufig Erzählformen entwickeln, die dem Wesen der Psychose fremd sind? Oder anders: lassen sich auf textueller Ebene Momente einer psychotischen Struktur herauskristallisieren, die dann unter Zuhilfenahme psychoanalytischer Ortungsversuche die Struktur des Textes selbst aufschlüsseln helfen? Schon Freud nimmt in seiner Bearbeitung des Schreber-Falles an, dass im Falle der Paranoia - und hier ließe sich erweiternd annehmen, im Fall der Psychose allgemein - der Patient ohnehin nur sagt, was er sagen will, d.h. in entstellter Form verrät, was der Neurotiker zu verbergen sucht, und dass dies ebenso gut im geschriebenen Text, wie im persönlichen, d.h. analytischen Gespräch seinen Niederschlag findet (Freud 240). Küchenhoff und Warsitz folgern daraus, dass der "psychotische Text, als gesprochener oder - wie bei Schreber - als geschriebener Text, [...] somit als Versuch des betroffenen Subjekts gelten [kann], seine Primärerfahrung gedanklich zu durchdringen und zu begreifen - zu theoretisieren" (119). Inwieweit diese Systematisierung der Wahnvorstellung, die einer Theoretisierung der Psychose gleichkommt, am literarischen Text abzulesen ist, wird Gegenstand der folgenden Untersuchung sein. Der Begriff "Psychose" wird, nachdem sich in der Medizin der Bereich der Seelenkrankheiten als distinkt zum Bereich der somatischen oder organischen Krankheiten etabliert hatte, erstmals 1845 von Ernst von Feuchtersleben in seinem Lehrbuch der ärztlichen Seelenkunde verwandt. In der psychiatrischen Forschung zur Psychose wird der Sprache eine zentrale Funktion zugeschrieben. Die symbolische Verarbeitung der Welt, die beim Psychotiker gestört ist, korreliert nach neuerer psychiatrischer Sicht mit einer labilen Abgrenzung der Hirn-Hemisphären (vgl. Crow...
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| Category | Codex | Gemma |
|---|---|---|
| Metaresearch | 0.002 | 0.003 |
| Meta-epidemiology (narrow) | 0.001 | 0.000 |
| Meta-epidemiology (broad) | 0.000 | 0.000 |
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| Research integrity | 0.003 | 0.005 |
| Insufficient payload (model declined to judge) | 0.012 | 0.003 |
Machine scores (provisional)
The two teacher heads of the student model, read on this work. A score orders the frame for review; it never asserts a category, and the validation status ships verbatim with every row.
Baseline scores from an immature model (maturity gate not passed, 7 training rounds). Scores rank; they never assert a category.
score_only:v0-immature-baseline · verbatim from the scoring run: score_only means the number may rank works, and no category label ships from itClassification
machine, unvalidatedMachine predicted; a candidate call from one source (direct Gemma or distilled Codex), not a consensus.
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